Interview mit Verena SchneiderTop

Verena Schneider hat an der SAL den Lehrgang „Literarisches Schreiben“ absolviert. Im Anschluss daran hat sie den boox-Verlag gegründet, welcher sich auf E-Books spezialisiert. Was sie zum Studium an der SAL bewogen hat und weshalb sie trotz der gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Lage einen Verlag gegründet hat, hat sie uns im Interview verraten. 

Portrait: Verena Schneider

Weshalb haben Sie sich damals zu einem Studium an der SAL entschieden?

Ich wollte ursprünglich etwas mit Kindern und Sprachen machen. Auf dem Weg zu meiner Entscheidung, welche Weiterbildung ich anpacken soll, habe ich die SAL-Website immer wieder angeschaut. Ich verschlinge Bücher und habe schon immer gerne Geschichten geschrieben. Vor einiger Zeit kam ein Punkt in meinem Leben, an welchem ich etwas berufsmüde war. So landete ich einmal mehr auf der SAL-Website und beim Lehrgang „Literarisches Schreiben“. Dies war der entscheidende Wendepunkt: Ich gab meine Kaderstelle auf, wechselte den Job und nahm eine Teilzeitstelle (80%) als biomedizinische Analytikerin an. Dies hat mir ermöglicht, den Lehrgang zu belegen. Eine Entscheidung, welche ich keine Sekunde bereut habe!

Und wie kamen Sie darauf, einen Verlag zu gründen?

Als es im Lehrgang um das Diplomprojekt ging, habe ich mir überlegt, worüber ich schreiben könnte. Es ging mit dabei darum, ein Projekt über etwas zu machen, womit ich längerfristig allenfalls auch meinen Lebensunterhalt verdienen könnte.
Ich ging mit 3 Themen zum Dozenten und er ermutigte mich stark, das Projekt „Verlagsgründung“ als Diplomarbeitsthema zu nehmen. Im ersten Moment war ich etwas geschockt, ich hatte nicht wirklich mit einer positiven Reaktion von ihm gerechnet. Dadurch geriet ich unter Zugzwang, sagte mir aber, dass ich das Projekt nicht auf Biegen und Brechen durchziehen muss, wenn es nicht klappen sollte.

Darauf folgte eine intensive Zeit mit viel recherchieren im Internet. Ich las mich durch tonnenweise Infomaterial zu den Themen KMU-Gründung, lernte einiges über die verschiedenen Unternehmensformen, musste einen Businessplan erstellen und eine Strategie entwickeln. Ich wurde Mitglied beim Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV und habe dort einige sehr spannende Kurse belegen können, die mir weitergeholfen haben. Parallel dazu interviewte ich Menschen aus der Buchbranche. Diese Interviews waren sehr ernüchternd: Alle Fachpersonen haben mir davon abgeraten, einen Verlag zu gründen. 

Diese Aussage bringt mich zu meiner nächsten Frage. Immer wieder hört man von Verlagen, welche stark unter dem wirtschaftlichen Druck leiden. Wie kamen Sie dazu, trotz all diesen entmutigenden Feedbacks und schwierigen Rahmenbedingungen, in einer solch schwierigen Zeit einen Verlag zu gründen?

Ausschlaggebend für diesen Entscheid war eine Kollegin im Lehrgang, welche ihr ganzes Leben lang erfolgreiche Geschäftsfrau gewesen ist. Sie sagte zu mir „Tu es einfach!“. Mein Vorteil ist, dass ich meinen Job habe, der meine Existenz sichert, dies hat mich im Entscheid zusätzlich bestärkt. Es wird immer Leute geben, die schneller, besser, professioneller sind als man selbst. Ich habe gelernt, dass ich aufhören muss, mich ständig mit anderen zu vergleichen und den Mut zu haben, mein eigenes Ding durchzuziehen.

Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, auf welche Produkte ich mich spezialisieren sollte. Zuerst wollte ich unbekannten Autoren eine Plattform bieten. Doch dann hat mir eine Kollegin des Studiengangs vorgeschlagen, mich auf E-Books zu spezialisieren. Daraufhin habe ich viel über das Thema gelesen und die Entwicklung in Amerika beobachtet. Dort ist das Geschäft mit den E-Books bereits viel weiter fortgeschritten als hier. Während der Recherche ist bei mir eine grosse Begeisterung für E-Books entstanden und so hat sich mein Projekt immer mehr in diese Richtung entwickelt. E-Books geben Autoren ohne grossen Kostenaufwand eine Möglichkeit zu testen, ob sich ihr Produkt verkauft. Und es besteht bei grosser Nachfrage immer noch die Möglichkeit, die Publikation als Printprodukt weiterzuentwickeln. Ich habe mittlerweile aber leider die Erfahrung gemacht, dass es seitens Autoren immer noch grosse Hemmungen gegenüber E-Books gibt. In den Medien liest man immer wieder vom Erfolg von E-Books, aber ich empfinde es so, dass die mediale Berichtserstattung mit der Wirklichkeit auseinander klafft. Eine Print- Buch-Veröffentlichung wird von Autorinnen und Autorinnen noch immer als erstrebenswerter angeschaut.

Inwiefern hat Ihnen der Lehrgang an der SAL geholfen, Ihren Traum vom eigenen Verlag wahrzumachen?

Ich erlebte viel Unterstützung seitens der Dozierenden. Dadurch entstehen viele spannende Projekte an der SAL. Wir hatten eine tolle Klasse und seit Ende des Studienganges vermisse ich diesen Austausch sehr. Er hat mich beflügelt, inspiriert und ermutigt.

Wie finden Sie Autoren für Ihren Verlag?

Im Herbst erscheint im boox-verlag eine Publikation einer Studiengang-Kollegin von mir. Erika Dreier hat das Buch „Die Geister sind hellhörig“ geschrieben. Dieses wird nicht nur als E-Book, sondern auch als Hardcopy erscheinen. Der harte Kern unseres Studiengangs trifft sich immer noch regelmässig zu literarischen Treffen. Wir planen auch, zusammen eine Autor/innenvereinigung zu gründen, woraus ich mir weitere Kontakte erhoffe. Aus unserem Verbund ist beispielsweise entstanden, dass wir am 19. Juni eine Lesung an einer Weiterbildung für das Pflegepersonal des Unispital Zürichs halten können. 

Eines meiner Ziele ist, mich dank Kontakten zu Kulturabteilungen der einzelnen Kantone bekannter zu machen. Es gibt viele von den einzelnen Kantonen organisierte Projekte, der Kanton Appenzell hat beispielsweise eine Schreibwerkstatt gegründet. Gerne möchte ich auch Schulklassen involvieren, diese bei Projekten begleiten und die Endprodukte danach als E-Book herausgeben. Ich finde kreative Prozesse sehr spannend und möchte jungen Talenten eine Chance zur Veröffentlichung geben.

Man muss sich wo auch immer möglich platzieren, an Messen und Ausstellungen gehen und Kontakte knüpfen. Schlussendlich gilt das gleiche, wie überall: Netzwerken ist das A und O.

Infobox:

Informationen zu Verena Schneiders boox-verlag gibt es auf www.boox-verlag.ch