Die SAL - Ausbildungsstätte mit Besonderheiten
1. Strukturelle Integration von drei Sprachberufsausbildungen
Vergleicht man die SAL mit anderen Ausbildungsstätten für Sprachberufe, so fällt zuerst einmal auf, dass sie nicht nur eine Berufsausbildung, sondern gleich drei anbietet: Übersetzen, Sprachunterricht und Journalismus. Die SAL vereinigt quasi drei Sprachberufsschulen unter einem Dach; dieses Dach bildet der Begriff “Angewandte Linguistik” als gemeinsamer Bezugspunkt aller Sprachberufe (vgl. zu diesem Thema den Grundlagenartikel in Teil III).
Die drei Ausbildungsrichtungen werden aber nicht unabhängig voneinander geführt, sondern sind strukturell integriert: ÜbersetzerInnen, SprachlehrerInnen und JournalistInnen absolvieren jene Teile ihrer Berufsausbildung gemeinsam, die für alle drei Berufsrichtungen gleichermassen relevant sind. Dies gewährleistet nicht nur, dass ein regelmässiges Kursangebot aufrechterhalten werden kann; der ständige Kontakt zu Studierenden auch anderer Ausbildungsrichtungen vermittelt auch berufsübergreifende Anregungen, wirkt horizonterweiternd - was gerade angesichts der fliessenden Grenzen zwischen den Tätigkeitsfeldern für Sprachschaffende von Bedeutung ist. Aufgrund der grossen Zahl gemeinsamer Fächer ist es SAL-Studierenden auch mit vertretbarem Aufwand möglich, mehrere Studiengänge zu kombinieren.
Eine solche strukturelle Integration mehrerer Ausbildungen lässt sich natürlich nicht problemlos praktizieren; zum einen stellt sie die Dozierenden mit besonderen pädagogisch-didaktischen Schwierigkeiten, zum andern verlangt sie von der Schulleitung kreative organisatorische Lösungen. Zudem ist die SAL aufgrund ihres gemischten Lehrangebots weniger leicht identifizierbar als eine Ausbildungsstätte, die nur auf einen Beruf ausgerichtet ist.
2. Verknüpfung von Theorie und Praxis
Integration kennzeichnet die SAL nicht nur strukturell (durch die Integration von drei Berufsausbildungen), sondern auch inhaltlich: Berufsbezogenes Handwerk und fachliches Reflexionsvermögen werden gleichermassen berücksichtigt, die konkreten sprachlichen Fertigkeiten ebenso gefördert wie das linguistisch-kommunikative Hintergrundwissen; eine einseitige Schwerpunktbildung (nur Theorie bzw. nur Praxis), wie sie andere Ausbildungsstätten z.T. praktizieren, wird vermieden.
Entsprechend durchmischt ist der (umfangreiche) Lehrkörper: Dozierende mit universitärer Ausbildung werden ergänzt durch Lehrkräfte aus der Praxis. Ein kleiner Teil der Dozierenden hat selber die SAL absolviert.
Die integrative inhaltliche Konzeption der SAL zwingt natürlich mitunter zu Abstrichen auf der theoretischen wie auf der praktischen Seite, was von aussen leicht im Sinne eines Theorie- bzw. eines Praxis-Defizits wahrgenommen werden kann.
3. Soziokulturelle Verankerung
Die Sprachberufsausbildung im engeren Sinne ist eingebettet in eine breite Palette von (primär) geistes- und sozialwissenschaftlich orientierten Ausbildungsangeboten. Wie die intensive Beschäftigung mit Grundfragen der Linguistik und Kommunikation, so ist auch die soziokulturelle Verankerung der SAL-Sprachberufsausbildung dem Grundsatz verpflichtet, dass reflektierter Gebrauch von Sprache eben mehr erfordert als reine Sprachfertigkeit.
Einige soziokulturelle Fächer (z.B. Literatur, Geschichte) gehören zum Pflichtteil aller Ausbildungsrichtungen; die meisten Kurse sind aber frei wählbar, und das entsprechende Angebot wechselt von Semester zu Semester - Gewähr für ein allgemeinbildendes Angebot, das jedermann etwas bietet.
4. Mehrsprachigkeit
Das Sprachberufsstudium an der SAL umfasst immer auch mindestens eine Fremdsprache. Dieses Prinzip liegt für ÜbersetzerInnen auf der Hand, es ist aber auch für SprachlehrerInnen und JournalistInnen verpflichtend. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
- Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der SAL- AbsolventInnen,
- Vermittlung eigener Sprachlernerfahrungen (Rückwirkungen des Fremdsprachenlernens auf die muttersprachliche Kompetenz),
- Rücksicht auf die spezifische Sprachsituation der Schweiz,
- Reaktion auf die ‘Globalisierung’ des Informationsflusses.
Studiensprachen an der SAL sind Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, in Chur auch Romanisch. Die Studierenden können das Anforderungsniveau wählen, auf dem sie eine Fremdsprache studieren wollen.
Der eigentliche Sprachunterricht an der SAL setzt aber in jedem Fall voraus, dass die jeweilige Sprache bereits auf fortgeschrittenem Niveau beherrscht wird; Sprachkurse für AnfängerInnen werden nicht angeboten.
5. Flexibler Studienaufbau
Charakteristisch für die ‘Architektur’ des SAL-Studiums ist die Kombination von herkömmlichem Stufenaufbau (d.h. Kurse/Leistungen, die in fester Abfolge zu absolvieren sind) und modularem Aufbau (Kurse/Leistungen, die in selbstgewählter Abfolge absolviert werden können).
Wo immer es möglich ist, wird die Ausbildung modularisiert. Dies stellt zwar hohe organisatorische Ansprüche an alle Beteiligten (Schulleitung, Studierende, Dozierende) und hat wohl auch - wie im Vorspann angesprochen - eine gewisse Unübersichtlichkeit der Ausbildung zur Folge; durch die Modularisierung lässt sich die SAL-Ausbildung aber um einiges individueller auf die Lebenssituation und die Bedürfnisse der einzelnen Studierenden ausrichten, als dies an anderen Ausbildungsstätten möglich ist. Je nach beruflicher und privater Belastung kann die SAL als Ganztages-, Halbtages- oder Teilzeitschule besucht werden.
Zur Flexibilisierung der Ausbildung tragen auch die unterschiedlichen Leistungsniveaus bei, auf denen der Eintritt in die Schule erfolgen kann. Fehlende Kenntnisse können in speziellen Vorkursen erworben werden; diese werden z.T. in verdichteter Form auch während der Sommerferien angeboten, um ein rasches Aufnehmen des Hauptstudiums zu ermöglichen.
6. Kontinuierliche Lernkontrolle
Der Lernerfolg in allen Ausbildungsbereichen (sprachtheoretische, sprachpraktische, berufsspezifische, linguistische und allgemeinbildende Fächer) wird laufend geprüft. Dies erlaubt den SAL-Studierenden, sich jederzeit über die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse Rechenschaft zu geben und Defizite frühzeitig auszugleichen.
Die kontinuierliche Lernkontrolle stellt natürlich auch eine starke Belastung im Studienverlauf dar. Entlastend wirkt, dass die Studierenden den Prüfungstermin, an dem sie eine bestimmte Leistung absolvieren wollen, selber wählen können (d.h. auch die Prüfungen sind modular organisiert, mit der Einschränkung, dass nicht gegen vorgegebene ‘Stufungen’ von Leistungen verstossen werden darf).
7. Selbstverantwortung
Aus dem bisher Gesagten geht schon hervor, dass die Studienplanung und daran anschliessend die Stundenplangestaltung an der SAL ausserordentlich individualisiert sind. Dies gewährt nicht nur Freiheiten, sondern stellt auch grosse Anforderungen an die Selbstverantwortung der Studierenden.
Auf die Eigenverantwortlichkeit ihrer Studierenden abstellen muss die Schule vor allem auch in zwei Bereichen:
- in der eigenständigen Erarbeitung eines Spezialgebiets, anhand dessen die erworbenen beruflichen Fertigkeiten exemplarisch unter Beweis gestellt werden sollen (vgl. den Beitrag dazu in Teil II), und
- in der selbsttätigen Organisation von Praktika, Sprachaufenthalten etc.
Die SAL versteht sich nicht als berufsbegleitende Ausbildungsstätte, d.h. eine ausbildungsbegleitende (oder gar vorgängige) Berufspraxis im angestrebten Sprachberuf ist nicht nötig. Die Integration von Praktika und Sprachaufenthalten in die Ausbildung ist natürlich sinnvoll, aber nicht in allen Ausbildungsrichtungen gleichermassen möglich (z.B. arbeitsmarkttechnische Hindernisse im Bereich des Übersetzens).
Schulleitung und Dozierende der SAL stehen den Studierenden selbstverständlich in allen studienrelevanten Fragen beratend zur Seite. Grundsätzlich aber gilt: Übersetzen, Sprachunterricht und Journalismus sind primär individualistisch ausgeübten Tätigkeiten, weshalb es zu den zentralen Anliegen einer Sprachberufsausbildung gehören muss, die Selbstverantwortung der Studierenden gezielt zu fördern. Zudem ist Ausbildung ja ein prinzipiell offener Prozess. Die SAL-Ausbildungsphilosophie orientiert sich deshalb in erster Linie daran, ‘Hilfe zur Selbsthilfe’ anzubieten.
Strukturelle Integration von drei Sprachberufsausbildungen, Verknüpfung von Theorie und Praxis, soziokulturelle Verankerung, Mehrsprachigkeit, Flexibilität durch modularen Aufbau, kontinuierliche Lernkontrolle und Förderung der Selbstverantwortung - diese sieben Charakteristika bilden gleichsam das ‘Herzstück’ der SAL-Philosophie.
